Ursprünglich veröffentlicht auf scubadiving.com | By Alexandra Gillespie

📷 Alexandra Gillespie

Wenn du im White Star Quarry tauchst, biege am versunkenen Segelboot ab, um dann durch einen verwunschenen Wald voller Gartenzwerge zu schwimmen, umrunde den algenbewachsenen Frito Lay Lastwagen und raste auf dem Rückweg beim Motorrad. Wenn du einen Tieftauchgang in der alten Grube machst, halte Ausschau nach der mit einer paillettenbesetzten Fliege geschmückten Hundestatue.

Der White Star Quarry liegt in Gibsonburg, Ohio, inmitten eines Meeres aus Maisfeldern. Aus Erfahrung kann ich berichten, dass „Ohio“ nicht die Antwort ist, die Menschen erwarten, wenn sie Fragen, wo man seinen Tauchschein gemacht hat. Imaginäre Bilder von Haien verschwinden im Dunst der Verwunderung: Man kann im mittleren Westen tauchen?

Ich hatte das Glück, zwei Tauchbrevetierungen in dieser Oase des mittleren Westens zu machen: im Juni 2019 meinen Open Water und ein Jahr später meinen Advanced Open Water – trotz der Corona-Pandemie.

Als COVID-19 alles für jeden änderte, musste ich mit ansehen, wie meine für den Juli geplante Hochzeit mit 125 Gästen implodierte und sich meine Flitterwochen in den Florida Keys in Luft auflösten. Meine PADI Advanced Open Water Brevetierung war das einzige Vorhaben, das den Fangarmen der Pandemie weitgehend unbeschadet entkam. Der Coronavirus fegte zwar einen geplanten Drysuit Adventure Dive vom Tisch – ich konnte nicht zur Anprobe in den Laden gehen – Zeit, Datum, Ort und Ziele änderten sich jedoch nicht.

Und, wie ich entdeckte, änderte sich auch die Tauchgemeinschaft nicht. Im unruhigen Jahr 2020 grenzt das an ein Wunder.

Trost in der Gemeinschaft

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Als ich während dieses weltweiten Pandemie-Sturms in meinen glückverheißenden Hafen einlief, kamen sofort Corona-Maßnahmen in Sicht. Plastikmüllsäcke verdeckten die gemeinschaftliche Wasserfüllstation und ein neues Schild warnte davor, die Umschläge zur Abgabe der Taucherlaubnis anzulecken. Um der im Park geltenden Regel „ein Haushalt pro Tisch“ gerecht zu werden, belegte jeder Dive Shop einen eigenen Picknicktisch. Der Sandstrand an der gegenüberliegenden Seeseite, im Besitz des Countys, war noch geschlossen und lag verlassen da.

In mir flammte Besorgnis auf. Die Eigenarten von White Star sind liebenswert – was diesen Tauchplatz jedoch wirklich besonders macht, ist der ausgeprägte Gemeinschaftssinn, wie er sich an lokalen Tauchseen entwickelt. Und COVID versteht es meisterhaft, Menschen auseinander zu treiben.

Die besten Tauchgänge „beruhen nicht so sehr darauf, wo ich bin, sondern mit wem ich unterwegs bin“ sagt Rich Synowiec, Inhaber von Divers Incorporated, einem Tauchgeschäft in Ann Arbor, Michigan und Betreiber der Lizensierungs- und Flaschenfüllstelle am White Star Quarry.

„Wenn du nach meinen besten Tauchgängen fragst – ich war mal im White Star zusammen mit meinen Kindern, meiner Frau und meinen Eltern tauchen.“ sagt der PADI Course Director.

Synowiec glaubt, „Was die Leute vom Tauchen abhält ist, dass sie keine Gemeinschaft zum Tauchen haben.“ Daher ist bei Divers Inc. und White Star alles so konzipiert, dass Taucher sich finden und zusammen tauchen gehen: Von Wochenendaktivitäten über kostenfreie Leihausrüstung für Open Water Schüler bis zur White Star Quarry Scuba Buddy Board Facebook-Gruppe.

Meine Sorgen, dass COVID-19 White Stars Charme etwas anhaben könnte waren unbegründet. Die geschlossene Gemeinschaft warf die typische Unbehaglichkeit des Social Distancing über Bord. Die 14-jährigen Synowiec-Zwillinge waren wie gewöhnlich vor Ort, um Flaschen zu füllen und Ausrüstung zu verleihen. Ihr Hund, Wrecks, verteilte fröhlich Küsschen. Mein Instructor, Will Graham, war derselbe, bei dem ich letztes Jahr meine Übungen im begrenzten Freiwasser absolvierte. Lachen drang von den Tischen der anderen Tauchshops herüber, selbst als anstatt Gruppenbildern Collagen einzelner Fotos als Erinnerung an den Tag erstellt wurden.

Das heißt nicht, dass es einfach ist, Distanz zu halten.

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Abgesehen von der Tischverteilung fanden es mein Instructor, meine Mitschüler und ich schwierig, einen Abstand von sechs Fuß einzuhalten. Es ist nicht normal, sich von seinem Tauchpartner fern zu halten, bis man unter Wasser ist und es macht besonders die Ausbildung mühsam. Einen großen Kreis zu bilden funktionierte für unsere örtliche Orientierung, verkomplizierte aber die Kompass-Erklärung bei der Einführung in unseren Navigation Adventure Dive. Wer kann aus der Entfernung diese kleinen Markierungen erkennen? Man kann diese Schwierigkeiten überwinden – meine gesamte Gruppe bestand den Navigations-Tauchgang – aber es ist kein leichtes Lernen.

An Land ist die größte Herausforderung das Anlegen der Ausrüstung ohne Tauchpartner. Die Gruppe gab ihr bestes, wir stützten Flaschen mit Tischen und saßen zum Flossenanziehen im Flachwasser. Aber manchmal braucht man einfach jemanden, der einem den Rückenreißverschluss des 7-mm-Anzugs schließt.

Abnormal normal

Der erste Atemzug unter Wasser ist aquatische Alchemie. Aufsteigende Blasen ersetzen aufsteigende Nervosität. Das gleichmäßige Geräusch der Atemregler ersetzt die unaufhörlichen Piepstöne und Dingdongs unzähliger Displays.

Poseidon sei Dank ist Social Distancing unter Wasser nicht nötig. Darin bietet die Unterwasserwelt derzeit etwas, nach dem Taucher für Gewöhnlich nicht suchen – ein Gefühl von Normalität. Du kannst tauchen wie bisher. Was für eine Freiheit die Normalität sein kann!

Und was für eine Notwendigkeit!

Ein Mitschüler des Advanced Open Water Kurses verfing sich während des Peak Performance Buoyancy Adventure Dives (Tarieren in Perfektion) am Hindernisparcours. Rauten und Halbkreise aus PVC befinden sich auf verschiedenen Tiefen des Sees, Tauchschüler schwimmen durch sie hindurch, um ihre Tarierungskontrolle zu üben. Als er durch einen Halbkreis schwamm, verfing sich der lose Oktopus des Tauchers an einem PVC-Stab. Sofort setzte Panik ein und mit seinem windmühlenartig arbeitenden Armen zog er den Schlauch noch weiter über das Hindernis. Luftblasen strömten, als er anfing, seine Flasche hektisch leer zu atmen.

Ich war als Erste bei ihm, löste behutsam den Schlauch und hielt mich von seinen schlagenden Flossen fern. Schnell schwamm er davon, glücklich über seine Freiheit und seine Luftversorgung. Wir wurden wieder getrennt und absolvierten jeder für sich pflichtbewusst den Hindernisparcours.

Aber für einen Moment waren wir physisch zusammen, um einander zu helfen.

Taucher helfen Tauchern. Das kann der Coronavirus nicht ändern.

📷 Alexandra Gillespie
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